Impuls für den Monat Juni

Liebe Besucher und Freunde der Evangelischen Gemeinschaft Kredenbach,

wir blicken zurück ins 19. Jahrhundert vor Christi Geburt. Isaak, der Sohn Abrahams ist alt und krank geworden. Seine Blindheit macht ihn abhängig und nachdenklich. Er möchte vor seinem Tod unbedingt seine Zwillingssöhne Esau und Jakob segnen. Deshalb ruft er zuerst den Älteren, Esau, seinen Lieblingssohn zu sich und sagt zu ihm: „Siehe, ich bin alt geworden und weiß nicht, wann ich sterben werde.  So nimm nun dein Gerät, Köcher und Bogen, und geh aufs Feld und jage mir ein Wildbret und mach mir ein Essen, wie ich’s gern habe, und bring mir’s herein, dass ich esse, auf dass dich meine Seele segne, ehe ich sterbe.“  Rebekka, die Frau Isaaks, hört mit und sofort fällt ihr ein, was Gott vor vielen Jahren, als sie mit den Zwillingen schwanger war, zu ihr gesagt hat: „Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Schoß; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen.“ Rebekka reagierte sofort. Sie rief ihren Lieblingssohn Jakob zu sich und sagte: „Geh hin zu der Herde und hole mir zwei gute Böcklein, dass ich deinem Vater ein Essen davon mache, wie er’s gerne hat. Das sollst du deinem Vater hineintragen, dass er esse, auf dass er dich segne vor seinem Tod.“ Jakob protestiert: „Siehe, mein Bruder Esau ist behaart, doch ich bin glatt; so könnte vielleicht mein Vater mich betasten, und ich würde vor ihm dastehen, als ob ich ihn betrügen wollte, und brächte über mich einen Fluch und nicht einen Segen.“ Aber Rebekka hat einen Plan: „Sie macht ein Essen, wie es sein Vater gerne hatte, und nahm Esaus, ihres älteren Sohnes, Feierkleider, die sie bei sich im Hause hatte, und zog sie Jakob an, ihrem jüngeren Sohn. Aber die Felle von den Böcklein tat sie ihm um seine Hände und wo er glatt war am Halse.“  Jakob sprach zu seinem Vater: „Ich bin Esau, dein erstgeborener Sohn; ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Richte dich auf, setz dich und iss von meinem Wildbret, auf dass mich deine Seele segne. Isaak aber sprach zu seinem Sohn: Wie hast du so bald gefunden, mein Sohn? Er antwortete: Der HERR, dein Gott, bescherte mir’s. Da sprach Isaak zu Jakob: Tritt herzu, mein Sohn, dass ich dich betaste, ob du mein Sohn Esau bist oder nicht. So trat Jakob zu seinem Vater Isaak. Und als er ihn betastet hatte, sprach er: Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Und er erkannte ihn nicht; denn seine Hände waren behaart wie Esaus, seines Bruders, Hände. Und er segnete ihn und sprach: Bist du mein Sohn Esau? Er antwortete: Ja, ich bin’s. Da sprach er: So bringe mir her, ich will essen vom Wildbret meines Sohnes, dass dich meine Seele segne. Da brachte er’s ihm und er aß; und er trug ihm auch Wein hinein und er trank. Und Isaak, sein Vater, sprach zu ihm: Komm her und küsse mich, mein Sohn! Er trat hinzu und küsste ihn. Da roch er den Geruch seiner Kleider und segnete ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der HERR gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde und Korn und Wein die Fülle.  Völker sollen dir dienen, und Stämme sollen dir zu Füßen fallen. Sei ein Herr über deine Brüder, und deiner Mutter Söhne sollen dir zu Füßen fallen. Verflucht sei, wer dir flucht; gesegnet sei, wer dich segnet!“

Soweit die Geschichte. Es ergeben sich einige Fragen: War es richtig, dass Jakob den Segen mit List erschleicht? War es richtig, dass Rebekka Jakob zur List ermutigt? Hat Jakob Vorteile vom Segen gehabt? Hat Rebekka den Sinn der Segnung an Esau verstanden? Hatte Isaak für Jakob einen anderen Segen vorbereitet? Hätte Gott die Verheißung an Rebekka auch ohne den Betrug erfüllt?

Ich denke, dass sich die Fragen vielleicht nicht eindeutig beantworten lassen, aber einige, für mich ganz neue Gedanken, lassen sich auf der Seite der Orthodoxen Rabbinerkonferenz finden.

Es werden 3 unterschiedliche Varianten zum Verständnis der Geschichte beschrieben:

  1. Isaak hatte sich seine Söhne sehr genau angesehen. Er kannte Begabungen und Probleme. In dieser Einschätzung kam er zu zwei unterschiedlichen Segnungen. Eine für Esau, der auf Reichtum und Macht Wert legte, und einen anderen Segen für Jakob, der ihm Nachkommen und Heimat versprach. Es gab keinen Grund für Betrug und Verstellung.
  2. Die Haltung von Rebekka wird als die Verkörperung der Nächstenliebe beschrieben. Und wenn sie keine andere Möglichkeit sah, dafür zu sorgen, dass der Segen an Jakob ging, der diesen Segen des Vaters zu schätzen und zu leben wusste, dann heiligte in diesem Fall doch der Zweck die Mittel.
  3. Jakob musste auf schmerzliche Weise lernen, dass der Segen für seinen Bruder bestimmt war. Seinen Segen bekam Jakob nämlich von seinem Vater, als er in Richtung Haran aufbrach: „Und der allmächtige Gott segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, dass du werdest eine Menge von Völkern,  und gebe dir den Segen Abrahams, dir und deinen Nachkommen mit dir, dass du besitzest das Land, darin du jetzt ein Fremdling bist, das Gott dem Abraham gegeben hat.“

Durch die List musste er vor seinem Bruder fliehen. 20 Jahre seines Lebens musste er bei seinem Schwiegervater arbeiten und Laban betrog ihn mit seinen Töchtern Lea und Rahel genauso wie Jakob seinen Vater betrogen hatte. Die Folgen dieses Betrugs sind in der Familie Jakobs in den Spannungen zwischen Lea und Rahel sichtbar, wurden auf die Kinder übertragen und gipfelten im Verkauf des Josef nach Ägypten und der Täuschung Jakobs mit Josefs blutverschmierten Gewand.

Jakob versucht den „Diebstahl“ an Esau wieder gut zu machen, indem er ihm von seinem Reichtum abgibt und Esau nötigt die Geschenke anzunehmen. Jakob verneigt sich 7 mal bis zum Boden vor seinem Bruder um seine Reue zu zeigen.

Was können wir heute noch aus der Geschichte von Esau und Jakob lernen?

  1. Wir dürfen mit dem zufrieden sein was Gott uns schenkt. Wir sollen nicht das haben wollen, was dem Anderen gehört. (siehe auch das 10. Gebot)
  2. Wir dürfen wieder neu verstehen, dass Gott trotz unserer Fehler und Schwächen zu seinem Ziel kommt.

Ich wünsche dir den Segen Gottes, den er für dich persönlich vorbereitet hat. Du findest ihn in seinem Wort in dem vor dir liegenden Monat Juni. Ich wünsche dir viel Freude bei der Entdeckungsreise in der Bibel.

Euer
Gerd Klein