Kümmert euch um alle, die wegen ihres Glaubens gefangen sind. Sorgt für sie wie für euch selbst. Steht den Christen bei, die verhört und misshandelt werden. Leidet mit ihnen, als würden die Schläge euch treffen.
– Hebräer 13,3
Geht mir der Vers so zu Herzen, weil wir uns hier zum Gottesdienst treffen dürfen, in der Öffentlichkeit von Gott, der Bibel und der Heilsgeschichte erzählen können, ohne Angst verhaftet zu werden? Oder bin ich einfach froh darüber, dass ich Verhöre, Misshandlungen und Schläge überhaupt nicht kenne? Können wir uns überhaupt vorstellen, wie es über 380 Millionen Christen auf der ganzen Welt geht, die nicht ohne Angst leben können? Wie können wir mit ihnen leiden, ohne ermessen zu können, was Verfolgung, Inhaftierung, Folter und Todesstrafe überhaupt bedeuten? Wir kämpfen im Kleinen damit, wenn wir komisch angeguckt werden oder blöde Kommentare bekommen, wenn wir von unserem Glauben sprechen. Wäre ich stark genug meinen Glauben zu bekennen, wenn ich mit solchen Konsequenzen rechnen muss?
Heute – 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges – fällt mir einer von vielen ein, der hier in Deutschland wegen seines Glaubens gelitten hat und getötet wurde.
Wie schafft man es, im Gefängnis unter grausamen Umständen, folgende, uns sehr bekannte Worte zu schreiben:
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Diese Sätze von Dietrich Bonhoeffer bauen uns doch immer wieder auf.
Hier in Deutschland hat sich, dem Herrn sei Dank, viel geändert, und wir hoffen, dass es so bleiben wird. Was für ein Segen, dass es Organisationen wie Open Doors gibt, die sich stark für verfolgte Christen weltweit einsetzen. Und uns auch immer wieder vor Augen führen, dass es heute noch Tausende von Geschwistern gibt, die jedes Jahr wegen ihres Glaubens sterben. Wir können und sollen zum Beispiel Open Doors mit Spenden unterstützen, um damit unseren Geschwistern im Glauben helfen zu können,. Die größte ‚Waffe‘, die uns zur Verfügung steht, ist aber das Gebet. Wir können unsere leidenden Geschwister in der Fürbitte vor Gott bringen. Wie genial ist es, dass wir solch eine Möglichkeit haben.
Auch wenn wir die körperlichen und seelischen Qualen keinem abnehmen können, können wir mit unserem Gebet helfen.
Es ist genial, dass wir wirklich in allen Situationen auf Gott vertrauen und wissen dürfen, dass er uns Christen hilft (auch wenn wir seine Wege nicht immer verstehen können) und uns Geschwister zur Seite stellt. Er lässt uns nicht alleine und hilft uns.
Lasst noch, nach dem Gelesenen, Psalm 42,10-12 auf euch wirken.
Gott, du bist doch mein einziger Halt! Warum hast du mich vergessen? Warum lässt du mich leiden unter der Gewalt meiner Feinde? Ihr Hohn dringt mir ins Herz, wenn sie Tag für Tag fragen: »Wo bleibt er denn, dein Gott?« Warum nur bin ich so traurig? Warum ist mein Herz so schwer? Auf Gott will ich hoffen, denn ich weiß: Ich werde ihm wieder danken. Er ist mein Gott, er wird mir beistehen!
– Psalm 42,10-12
Amen.
Eure
Nadine Scheffe
