Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
– Amos 5,24
Wer sich in der heutigen Zeit umschaut und Nachrichten aus aller Welt liest oder hört, erfährt von Kriegen und Machtspielchen, von Superreichen und Hungernden, von weit auseinanderklaffenden Weltanschauungen und Lebenszielen und, je nach Nachrichtenquelle, auch von Christenverfolgung und unseren leidenden Geschwistern.
Dabei vermissen wir doch alle eines sehr und sehnen uns danach: Gerechtigkeit.
– Gerechtigkeit und Frieden im Zusammenleben der Völker
– Gerechtigkeit und Fairness bei der Verteilung von Reichtum
– Gerechtigkeit und Freiheit in der Ausübung unseres Glaubens
Aber wenn man sich den Text des Propheten Amos im Zusammenhang ansieht, stellt man fest, dass es hier nicht in erster Linie um diese ethische Sicht von Gerechtigkeit geht:
21 Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen –
22 es sei denn, ihr bringt mir rechte Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an.
23 Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!
24 Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
25 Habt ihr vom Hause Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lang Schlachtopfer und Speisopfer geopfert?
26 Ihr trugt den Sakkut, euren König, und Kewan, den Stern eures Gottes, eure Bilder, welche ihr euch selbst gemacht habt;
27 so will ich euch wegführen lassen bis jenseits von Damaskus, spricht der HERR, der Gott Zebaoth heißt.
– Amos 5
Gott klagt sein Volk an. Es feiert zwar die Feste, die Gott selbst einst eingesetzt hatte, aber es hat sich innerlich weit von Gott entfernt. Die Feste dienen nur noch der Freude der Menschen, der eigenen Belustigung. Die Opfer werden geschlachtet, aber genüsslich selbst verspeist, anstatt den geforderten Teil auf dem Altar zu verbrennen. Auch die Musik wird nicht Gott zur Ehre gespielt, sondern soll die Menschen in Feierlaune halten. Das Ganze behält noch diesen frommen Anstrich. Nach außen hin scheint „alles gut“. Man ist sich jedoch seiner Schuld nicht mehr bewusst. Das Gewissen ist abgestumpft, die warnenden Worte der alten Schriften oder der mahnenden Propheten werden übertönt.
Gott steht nicht mehr im Mittelpunkt – es ist der Mensch.
Der Mensch ist nicht mehr in der Lage, selbst für Gerechtigkeit zu sorgen.
Gott muss es tun, durch seine Gerechtigkeit, indem er sein Recht durchsetzt, indem er Gericht übt.
Jesaja schreibt:
Verderben ist beschlossen und bringt Fluten von Gerechtigkeit.
– Jesaja 10,22b
Dies geschah in erster Linie damals durch die Wegführung in die Gefangenschaft nach Assyrien bzw. Babylon.
Und heute? Ist das Problem der Ungerechtigkeit nicht auch immer darin begründet, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht mehr Gott? Die guten und weisen Richtlinien Gottes werden verworfen, und Egoismus und Machtstreben an deren Stelle gesetzt. Und diejenigen, die sich noch Gott unterstellen und ihm nachfolgen wollen, werden zur Gefahr für die eigenen Bestrebungen und deshalb bekämpft.
Auch hier wird Gott eines Tages Gericht üben müssen und er tut es schon jetzt, indem er uns Menschen unseren eigenen Begierden hingibt.
Aber dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied: Jesus Christus.
Er, der Sohn Gottes, hat aus Liebe zur uns für alle unsere Schuld am Kreuz bezahlt. Er konnte es, da er als einzig wirklich gerechter Mensch auf dieser Erde gelebt hat und selbst keiner Sünde schuldig wurde. Wie wunderbar, dass wir dies annehmen dürfen!
Wenn er dann die Herrschaft auf dieser Welt aufrichten wird, dann wird endlich auch die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach strömen, die wir so sehr ersehnen.
Und doch bleibt eine mahnende Frage bestehen, der auch wir uns nicht entziehen dürfen:
Steht bei uns, in unseren Gottesdiensten und gemeinsamen Feiern, Gott im Mittelpunkt? Oder laufen auch wir Gefahr, dass wir uns nur um unser Selbst willen am gemeinsamen Mittagessen, an toller Musik im Gottesdienst und dem netten Austausch mit unseren Freunden erfreuen?
Uns sollte immer bewusst sein, dass Gott uns erlöst hat, freigekauft hat, dass wir uns freuen, weil er so gut zu uns ist! Lasst uns ihm die Ehre geben, dass wir in dieser Gemeinschaft leben dürfen. Uns muss bewusst bleiben, dass wir aus uns heraus keine Berechtigung haben, auch nur in die Nähe Gottes zu kommen. Wir sitzen alle im selben Rettungsboot Gottes auf einem tosenden Meer aus Sünden. Wir hätte keine Chance, trocken ans Land zu kommen, wenn Jesus uns nicht herausretten würde!
In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass in unserem Leben Gott im Mittelpunkt steht!
Euer
Tillmann Siebel
