Open Doors

Weltverfolgungsindex 2018


 

11. April 2018
Nigeria: Gefangen, weil sie an Jesus festhält
Junge Christin schlägt Freilassung aus / Eltern zwischen Stolz und Trauer

(Open Doors, Kelkheim) – Leah wollte gerade mit den anderen Mädchen in den Bus einsteigen. Nach vier Wochen Gefangenschaft würden sie endlich zu ihren Familien zurückkehren, die schon sehnsüchtig warteten. Doch dann forderten die Männer Leah als einzige Christin in der Gruppe auf, den islamischen Glauben anzunehmen. Die 15-Jährige weigerte sich und blieb als einzige von über 100 Mädchen zurück in den Händen von Boko Haram.

„Halte fest an Christus, Leah!“

Für Leahs Eltern Natha und Rebecca Sharibu war die Nachricht niederschmetternd, die sie durch Leahs ehemalige Mitgefangene erfuhren. Dennoch sagt Natha: „Ich bin sehr traurig, aber gleichzeitig freue ich mich auch, weil meine Tochter Christus nicht verleugnet hat.“ Er zeigte sich beeindruckt von der tiefen Überzeugung und dem Glauben seiner Tochter, durch den sie selbst im Angesicht des Todes gegenüber Boko Haram an Christus festgehalten habe. „Ich weiß nicht, was ich an ihrer Stelle getan hätte. Das Zeugnis meiner Tochter hat mich näher zu Christus gezogen. Ich bin ein stolzer Vater und rufe sie auf, Gott treu zu bleiben … Halte fest an Christus, Leah!“

Bild: Eltern und Großmutter von Leah Sharibu

Leah selbst hatte ihren zurückgekehrten Schulfreundinnen bei deren Abreise eine Botschaft speziell für ihre Mutter mitgegeben: „Meine Mutter, du solltest nicht beunruhigt sein. … Deine Worte aus unseren Morgenandachten stehen mir vor Augen, dass Gott Menschen in Not besonders nahe ist. … Ich bin zuversichtlich, dass ich dich eines Tages wiedersehen werde. Wenn nicht hier, dann in der Geborgenheit unseres Herrn Jesus Christus.“

Erinnerungen an Chibok – Gebet als Gebot der Stunde

Die Entführung der Mädchen aus der Stadt Dapchi am 19. Februar hatte schlimme Erinnerungen an die Ereignisse in Chibok geweckt. Von den dort ursprünglich 276 Entführten werden weiterhin über 100 vermisst. Am 14. April jährt sich der Überfall zum vierten Mal. Während die Eltern in Chibok schon seit Jahren für ihre Töchter beten und um sie kämpfen, reagierten Christen wie auch viele Muslime in Dapchi betroffen auf die Nachricht von Leah. „Alle Kirchen in Dapchi beten“, berichtet Daniel Auta, einer der lokalen Pastoren. Zweimal habe man bereits eine dreitägige Fastenzeit ausgerufen. „Und in den Häusern wird weitergebetet.“

Bitte beten Sie für die entführten Christen wie Leah und ihre Familien in Nigeria:

  • Danken Sie für Leahs starken Glauben und ihre Entschlossenheit, Jesus treu zu sein.
  • Beten Sie für Leah und andere entführte Christen – etwa die weiterhin vermissten Mädchen aus Chibok: dass Jesus sie schützt, dass sie wieder freikommen und ein Zeugnis für ihre Entführer sind.
  • Beten Sie um Trost und Durchhaltevermögen für die Angehörigen der Entführten; dass sie nicht verzweifeln, sondern Gott weiter vertrauen.
  • Beten Sie um Gottes Wirken an den Herzen der Entführer.

04. April 2018

Nigeria: Hanatus mutiger Neuanfang
Christliche Witwe kehrt nach tragischem Überfall in ihr Heimatdorf zurück

(Open Doors, Kelkheim) – „Ich bin zurückgekehrt, damit auch andere Frauen Mut fassen und das Gleiche tun.“ Vor vier Monaten verlor Hanatu Solomon ihren Mann, als Fulani-Viehhirten mehrere christliche Dörfer angriffen (Open Doors berichtete). Nun versucht sie, in ihrem fast völlig verlassenen und schwer beschädigten Heimatdorf Shaforon eine neue Existenz aufzubauen.

„Der Versuch, Generationen von Christen auszulöschen“

Hanatu, 46, ist eine leitende Mitarbeiterin in der Lutherischen Kirche Christi von Nigeria und gehört zu den wenigen Frauen (und noch weniger Männern), die nach Shaforon im nigerianischen Bundesstaat Adamawa zurückgekehrt sind. In dem Dorf fehlt es an dem Nötigsten: Trinkwasserstellen sind durch Leichen verunreinigt, landwirtschaftliche Geräte sind zerstört. Nahrungsmittel sind knapp, und ohne baldige Hilfe könnte es zu einem Ausbruch der Cholera kommen. Dennoch sagt Hanatu: „Wir können die Häuser unserer Vorfahren nicht einfach aufgeben, weil wir angegriffen wurden – dann hätten unsere Feinde gewonnen.“

Gleichzeitig äußerte die fünffache Mutter Sorge über Bemühungen, Nigeria gewaltsam zu islamisieren. „Ich glaube, diese grausamen Überfälle und Morde an den Männern sind der Versuch, Generationen von Christen auszulöschen.“ Wenn ein Mann keine Nachkommen zeugen könne, werde seine Familie aussterben. „Wann hat das Morden ein Ende? Es sind entweder Boko-Haram-Kämpfer oder Viehhirten, die unsere Leute umbringen, von denen die meisten Christen sind.“


Bild: Hatanu Solomon und ihre Tochter (Quelle: World Watch Monitor)

Vater der Waisen und Helfer der Witwen

Doch Hanatus Ehemann Audu starb nicht durch die Hände von Viehhirten. Es waren die Bomben der zur Hilfe gerufenen Militärflugzeuge, die aus bislang ungeklärten Gründen ihre tödliche Fracht auf die Dörfer abwarfen und so auch Audu tödlich verletzten. „Ein guter Mann wurde einfach getötet, ohne dass seine Mörder dafür belangt würden“, klagt Hanatu. Nigerianische Christen drängen darauf, den Fall vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen.

Doch unabhängig davon, ob es je dazu kommt: Die Hoffnung für Shaforon und seine Bewohner liegt nicht in Den Haag, sondern in dem Glauben von Menschen wie Hanatu Solomon. Sie brauchen unsere Gebete und die Hilfe des allmächtigen Gottes, von dem es heißt: „Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung“ (Psalm 68,6).

Bitte beten Sie für die Christen in Nigeria:

  • Danken Sie für Hanatu, ihren starken Glauben und ihren Mut, wieder in ihr Heimatdorf zurückzukehren.
  • Beten Sie für die zahlreichen Witwen und Waisen, die durch Angriffe der Fulani und durch Boko Haram ihrer Ehemänner und Väter beraubt wurden: dass Jesus sie versorgt, tröstet und all ihren Mangel ausfüllt.
  • Beten Sie für Menschen wie Hanatu, die sich Hass und Vertreibung entgegenstellen: dass Gott sie leitet und sie in ihrem Glaubens- und Überlebenskampf segnet.