Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gut,
das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.
– 5. Mose 26,11
Während ich mir Gedanken über den Monatsvers für Februar mache, habe ich meinen Weihnachtsurlaub in Kredenbach noch lebendig vor Augen.
… du sollst dich freuen, über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat…
Das wurde bei uns zwischen den Jahren sehr anschaulich: Mein Vater fotografiert seit den 50er-Jahren leidenschaftlich und bei uns stapeln sich unzählige Diakästen. Von Zeit zu Zeit bauen wir den alten Projektor auf und versinken in Nostalgie. Familienfeste und Urlaube, in denen wir Geschwister noch klein und süß waren, Menschen in voller Kraft, die heute nicht mehr unter uns sind, Jugendfreizeiten mit Volker Kaskel in Wilgersdorf, Lagerfeuer an denen Leute sitzen, deren Kinder heute älter sind als sie damals.
Nach dem letzten Dia-Abend wurde mir so richtig bewusst, welch eine schöne Kindheit und Jugendzeit wir hatten. Viele engagierte Chorleiter, CVJM- und Sonntagschulmitarbeiter haben dazu beigetragen. Und natürlich auch meine Eltern. Während sie beide ohne Vater aufgewachsen sind, konnten sie uns gemeinsam in Friedenszeiten ins Leben begleiten und sind immer noch zusammen.
Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gut,
das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.
– 5. Mose 26,11
Als Mose diese Aufforderung zur Freude an das Volk Israel weitergibt, liegt eine 40-jährige Wüstenwanderung hinter ihnen. Viele Kämpfe, Versagen und Verluste. Eine ganze Generation ist in der Wüste gestorben.
Jetzt stehen sie kurz vor dem Einzug in das versprochene Land. Mose wiederholt die Gebote, die Israel schon am Sinai 40 Jahre früher gegeben wurden. Israel war vorher eine gewachsene Großfamilie und wurde hier zu einem Volk mit Rechtsordnung. Sie waren Sklaven gewesen und kamen mit einer entsprechenden Mentalität aus Ägypten, hier bekamen sie Würde. Sie erhielten die Lagerordnung und eine zentrale Mitte: das Wüstenheiligtum mit dem Zelt der Begegnung . All dies sollte ihre Beziehung zu dem Gott Jahwe ordnen. Jetzt ergänzt Mose die Gebote durch Anweisungen für die Verteilung des Landes. Wir dürfen hier lesen, wie ein großer Mann, der für eine bestimmte Aufgabe von Gott berufen wurde, sein Erbe weitergibt, bevor er stirbt.
Mose zieht einen großen Bogen und sagt:
So sollst du sagen: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk. Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrieen zum HERRN, dem Gott unserer Väter, und der HERR hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. Der HERR führte uns mit starker Hand und hoch erhobenem Arm, unter großem Schrecken, unter Zeichen und Wundern aus Ägypten, er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land, ein Land, wo Milch und Honig fließen.
– 5. Mose 26,5-9
In einer Geschichte der vielen Kämpfe hebt Mose die Führung Gottes hervor. Er beschreibt, wie Gott auf die Hilferufe geantwortet hat, und betont den Segen, den Gott gegeben hat.
Wie schauen wir auf unser Leben?
Wenn ich meine Tagebücher anschaue, sehe ich da auch viele Kämpfe, Überforderung und Nöte. Aber es gibt auch so unendlich viele Segensspuren. Wie oft hat Gott meine Unzulänglichkeiten gebraucht, um doch noch sein Ziel zu erreichen. Und wie viele Geschenke habe ich völlig unverdient bekommen, ganz zu schweigen von dem Privileg, so viele Jahre in Frieden leben zu dürfen.
Freude wächst aus Dankbarkeit.
Dankbarkeit ist eine Entscheidung.
Manchmal muss man einfach innehalten und hinschauen: Das habe ich ja auch alles erlebt!
Bei Mose hat diese Freude jedoch nicht nur „privaten“ Charakter. Sie hat eine gesellschaftliche Dimension.
Denn eigentlich hat der Monatsvers noch einen zweiten Teil. Es heißt:
Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat: du, die Leviten und die Fremden in deiner Mitte.
– 5. Mose 26,11
Die Leviten waren die Mitarbeiter im Gottesdienst der Gemeinde damals, quasi die Jungscharmitarbeiter und Hauskreisleiter von heute. Unsere Freude über das Erlebte soll also auch in der Gemeinschaft spürbar werden, damit sich andere mitfreuen können.
Was wäre, wenn wir uns gegenseitig (und unseren Leitern) erzählen, wofür wir dankbar sind?
Und dann die Erwähnung der Fremden. Einige Kapitel vorher betont Mose, dass Gott die Fremden liebt und für sie sorgt (5. Mose 10,18-19). Er macht klar, dass auch wir die Fremden lieben sollen. Wer weiß, ob wir nicht eines Tages selbst irgendwo Fremde sein werden.
Die Freude über das eigene Wohlergehen soll überschwappen in die Gesellschaft und sogar die Menschen erreichen, die uns (noch) Fremde sind.
Es ist eine Freude über Gott und sein Handeln, die das möglich macht.
Schon Nehemia hat nach Fertigstellung der Mauer zum Volk gesagt:
Nun geht, haltet ein festliches Mahl und trinkt süßen Wein! Schickt auch denen etwas, die selbst nichts haben; denn heute ist ein heiliger Tag zur Ehre unseres Herrn. Macht euch keine Sorgen; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.
– Nehemia 8,10
Eure
Almut Siebel
